Kurznachrichten aus unserer Imkerei

Stand im Botanischen Garten in Krefeld

Sonntag, 28. August 2016 10:05   

Heute, am 28.8.2016, stehen wir mit unserem Honigstand als “Beiprogramm” von 13 Uhr bis 17 Uhr im Botanischen Garten Krefeld. [mehr…]

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Bienensterben im Spargel

Vergiftete Bienen vor ihrer Beute

Vergiftete Bienen vor ihrer Beute

So sah es Mitte Juni letzten Jahres vor den Beuten unserer Bienenvölker in Meerbusch-Lank aus. Natürlich war der Schreck da groß. Tote und sterbende Bienen, noch zuckend und mit rausgestrecktem Rüssel. Schnell kam uns der Verdacht: Unsere Bienen wurden vergiftet.

Doch was war die Ursache? Eine Nachschau ergab, dass auch im Beutenboden tote und sterbende Bienen lagen. Viele hatten orange Pollenhöschen gesammelt. Was blüht im Juni und hat orange Pollen? Unangenehme Begleiterscheinung war, dass unsere sonst so sanftmütigen Bienen plötzlich durch den Stress der Vergiftung aggressiv wurden und selbst ein paar Meter weiter stehende Besucher attackierten.

Wir machten uns auf die Suche nach dem Übeltäter. Doch wo anfangen zu suchen? Hier haben uns Herr Dr. Otten vom Bieneninstitut in Mayen und seine Mitarbeiter sehr geholfen. Wir konnten kurzfristig einige tote Bienen mit orangen Pollenhöschen einschicken. Das Ergebnis der Pollenanalyse hatten wir schon am nächsten Tag. Unsere Bienen waren im Spargel!

Jetzt galt es das Spargelfeld zu finden. Einen ganzen Vormittag lang sind wir mit dem Fahrrad in der Umgebung des Bienenstandes herumgefahren. Fast wollten wir schon aufgeben, da hatten wir in 1,1 km Entfernung (Luftlinie) ein gar nicht mal so großes Spargelfeld entdeckt. Eine Neuanlage, die Mitte Juni schon nicht mehr beerntet wurde und bereits durchgewachsen war. Dass die Bienen so weit fliegen um Nektar zu sammeln, ist schon erstaunlich, aber dass sie in solchen Entfernungen auch noch soviel sammeln, dass es für eine Vergiftung reicht, hätte ich nicht gedacht.

Zum Glück waren von den 8 dort stehenden Bienenvölker nicht alle gleich stark betroffen. Nur 1 Volk hatte dramatische Vergiftungserscheinungen mit vielen toten Bienen vor der Beute und einem drastischen Bienenschwund in der Beute. Dieses Volk hatte sich ganz offensichtlich stark auf das Spargelfeld eingeflogen. Bei den anderen 7 Völkern fand man nur vereinzelt tote Bienen mit rausgestrecktem Rüssel und die Volksstärke war nicht sichtbar geschrumpft.

Für die Analyse haben wir ein wenig Pflanzenmaterial mitgenommen und zusammen mit den toten Bienen zum Julius Kühn-Institut (JKI) nach Braunschweig geschickt. Das Ergebnis der biologischen Untersuchung bekamen wir ungefähr 6 Wochen später und es bestätigte den Verdacht, dass unsere Bienen mit einem Pflanzenschutzmittel in Berührung gekommen war. Sowohl Spargel als auch Bienen zeigten eine Kontaktgiftwirkung. Aufgrund dieses Resultates wurde dann die chemische Untersuchung veranlasst, deren Ergebnis wir vor wenigen Tagen erhalten haben.

Wer sich dafür interessiert, kann hier mal schauen:

Ergebnis der chemischen Analyse

Ergebnis der chemischen Analyse

Nach Aussage von Herrn Pistorius vom JKI ist der Fall eindeutig und die Bienen sind an einer “Überdosis” Dimethoat (bzw. des Abbauproduktes Omethoat) gestorben. Die gleichzeitig gefundenen fungiziden Rückstände haben die Bienen wohl nicht geschädigt. Mich erschrecken sie trotzdem und ich frage mich, was für einen Chemiecocktail Bienen sonst noch so aushalten müssen. Dimethoat ist ein Insektizid und wird z.B. gegen die Spargelfliege eingesetzt. Es ist bienengefährlich (B1) und darf in blühenden (bzw. aufblühenden) Beständen nicht mehr eingesetzt werden. Aber anscheinend ist da irgendetwas schiefgelaufen.

Den zuständigen Landwirt haben wir mittlerweile ausfindig gemacht und uns mit ihm besprochen. Ich hoffe es klappt im nächsten Jahr besser mit den Pflanzenschutz-Spritzungen und wir haben keine Schäden mehr an unseren Bienenvölkern.

Das am stärksten betroffene Volk lebt übrigens noch. Es hat sich gut erholt und  ist auch wieder relativ stark. Natürlich hat es aber nach der Vergiftung keinen Honig mehr gebracht. Bei der letzten Nachschau vor einer Woche (nur kurz unter die Folie geguckt) machte es allerdings einen unruhigen Eindruck. Ob es wirklich überlebt und keine Spätfolgen hat, kann man erst im April sagen.

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Datum: Montag, 25. Januar 2010 17:48
Themengebiet: Bienen-Allerlei

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10 Kommentare

  1. 1

    Die Diskussion zum Beitrag gibt es hier:
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=17321&page=4

    [Antwort]

  2. 2

    […] unser Bienensterben im Spargel im Juni 2009 hatte ich ja bereits hier berichtet. Gut, dass Bienenvergiftungen jetzt systematisch erfasst werden. Seltsam, dass es nur in […]

  3. 3

    […] riesigen Schläge mit vielen Hektar Monokulturen. Auch uns betreffen Bienenvergiftungen (siehe Bienensterben im Spargel), sie vernichten aber nicht direkt alle unsere […]

  4. Christoph Koch
    Donnerstag, 20. Mai 2010 12:18    
    4

    nun haben wir Mai 2010 und mich würde jetzt mal sehr interessieren ob das Volk noch lebt, wie es über den Winter gekommen ist etc.

    Grüßle

    [Antwort]

  5. 5

    Hallo Christoph,
    das Volk war den ganzen Winter sehr unruhig (und ist es auch jetzt noch). Bei der ersten Nachschau im Frühjahr zeigte sich, dass es noch spät im Herbst umgeweiselt hatte.
    Es hat schwach ausgewintert und entwickelt sich verzögert. Das Brutnest ist relativ lückig (aber nicht drohnenbrütig).
    Ob es an der Vergiftung liegt, wird man nie beweisen können :-(.
    Ich vermute, die Königin hat bei der Vergiftung einen latenten Schaden erhalten, ist deshalb im Herbst umgeweiselt worden und die junge Königin wurde aufgrund der späten Jahreszeit nicht richtig begattet.
    Wie auch immer, ich werde das Volk jetzt bei der nächsten Gelegenheit auflösen und sämtliche Waben (nach Auslaufen noch vorhandener Brut) einschmelzen. Das Wachs wird dann zu Bienenwachskerzen verarbeitet, so dass es aus dem Wachskreislauf entnommen wird.
    Im Moment hoffe ich nur, dass dieses Jahr nichts Ähnliches passiert. In wenigen Wochen ist Spargelblüte :-(.
    Wir haben mit dem “zugehörigen” Landwirt gesprochen und ich hoffe es hat geholfen!
    Viele Grüße, Brigitta

    [Antwort]

  6. 6

    haben wir alle jahre hier in der heide
    die völker überleben es erst sind aber
    geschwächt und so ein gefundes fressen
    für krankheiten und dann ist wieder die varoa
    bzw der imker schuld…

    [Antwort]

  7. 7

    Hallo Klaus Ahrens,
    ist es den die Heidetracht selber, oder wird da auch irgendetwas gespritzt? VG Brigitta

    [Antwort]

  8. 8

    na ja die heide ist schon für seinen spargel bekannt
    darauf bezog sich auch mein beitrag
    probleme haben wir hier auch mit kartoffelspritzung
    vor 7 jahren haben sie uns in 3 landkreisen ca 3500
    völker kaputtgemacht dunkelziffer ist höher
    und wenn das mit den biogasanlagen so weiter geht
    (lk celle ca 80 in planung oder betrieb)dann ist
    eine hochburg der heideimkerei bald bienenleer
    gruss klaus

    [Antwort]

  9. 9

    Hallo Klaus,
    sorry, dass mit der Heide und dem Spargel wusste ich nicht :-( (hätte ich mir eigentlich denken können, wg. dem Sandboden). Klar, dann kennt Ihr die Problematik aus erster Hand. Die zunehmenden Biogasanlagen (und den invasiven Maisanbau) betrachte ich auch mit Sorge. Wobei wir es noch vergleichsweise gut haben hier. Wir haben Stadtrandlage mit relativ kleinräumiger Landwirtschaft drumherum. Trotzdem sieht man auch hier immer weniger Vielfalt und immer mehr Mais :-(. VG Brigitta

    [Antwort]

  10. 10

    […] Bienenvölker stehen unter der Aufsicht der Imker. Wenn dort etwas nicht in Ordnung ist, fällt es relativ schnell auf. Wir hatten bisher erst einmal (zum Glück!) Probleme mit einer Vergiftung durch Spritzmittel. Der Verursacher konnte damals auch ermittelt werden. Siehe auch unseren Bericht hier. […]

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